Konfrontative Pädagogik
- Situation
- Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
Der Begriff wird häufig missverstanden, in beide Richtungen. Eine Einordnung für alle, die überlegen, ob der Ansatz zu ihrer Arbeit passt.
Zwei Missverständnisse begegnen mir regelmäßig. Das erste: Konfrontative Pädagogik sei ein härterer Umgangston, eine Art pädagogisches Durchgreifen. Das zweite: Sie sei nur etwas für den Strafvollzug und habe in der offenen Jugendarbeit nichts verloren.
Beides trifft nicht zu, und beides führt dazu, dass der Ansatz entweder falsch angewendet oder gar nicht erst geprüft wird.
Konfrontative Pädagogik geht davon aus, dass Menschen, die andere verletzen, sich diese Tat erklären. Nicht als Ausrede, sondern als innere Notwendigkeit. Sie hat angefangen. Der hat es nicht anders verdient. Ich hatte keine Wahl.
Diese Erklärungen sind der Punkt, an dem gearbeitet wird. Nicht durch Widerspruch und nicht durch Belehrung, sondern indem sie so lange konkret durchgegangen werden, bis sie nicht mehr tragen. Das ist mühsam, dauert lange und erfordert ein tragfähiges Verhältnis zwischen den Beteiligten.
Genau deshalb ist der Ansatz das Gegenteil von Härte. Ohne Beziehung funktioniert er nicht. Wer konfrontiert, ohne dass eine Beziehung besteht, erzeugt Widerstand und sonst nichts.
Nicht laut. Lautstärke ist ein Zeichen von Kontrollverlust, nicht von Klarheit.
Nicht demütigend. Wer eine Person abwertet statt ihr Verhalten, liefert ihr genau die Erklärung, die sie braucht: Man ist ja doch gegen mich.
Nicht ohne Ausweg. Konfrontation ohne Angebot ist eine Sackgasse. Es muss immer einen Weg geben, der nicht durch das nächste Vergehen führt.
Nicht in jeder Lage. Wer akut in einer Krise steckt, wer nicht ansprechbar ist, wer gerade eine Traumatisierung durchlebt, braucht etwas anderes. Die Unterscheidung gehört zur fachlichen Kompetenz.
Überall dort, wo Menschen wiederholt Grenzen überschreiten und dafür Erklärungen haben, die sie schützen. Das ist in der Jugendhilfe der Fall, in der Schule, in der Arbeit mit Gewalttätern, teilweise auch in der Verwaltung, wenn dieselben Personen immer wieder auffällig werden.
Nicht hingehört er in Situationen, die einmalig eskaliert sind. Wer einmal ausrastet, weil eine Nachricht ihn getroffen hat, braucht keine Konfrontation, sondern Deeskalation und danach ein Gespräch.
Der Ansatz verlangt Personen, die eine Auseinandersetzung aushalten, ohne persönlich zu werden, und die Beziehung halten, ohne nachzugeben. Das ist anspruchsvoll und nicht jeder liegt es. Diese Ehrlichkeit gehört an den Anfang jeder Fortbildung, sonst kommen Teams mit einem Werkzeug zurück, das sie in ihrer Konstellation nicht führen können.
Vertiefung
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