Programm Sichere Einrichtung
- Situation
- Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
Fast jede Einrichtung hat eine Notfallnummer. Fast keine hat geübt, sie zu benutzen. Der Unterschied zeigt sich genau einmal.
Wenn ich in Einrichtungen frage, wie alarmiert wird, bekomme ich meist eine richtige Antwort. Wenn ich frage, wann das zuletzt ausprobiert wurde, wird es still.
Das ist kein Vorwurf. Es liegt in der Natur der Sache: Verfahren, die selten gebraucht werden, werden selten geübt. Nur zeigt sich die Lücke dann im schlechtesten Moment.
Der Weg zum Signal. Der Knopf ist unter dem Tresen, aber die Situation spielt sich am Eingang ab. Das Telefon liegt im Büro, aber niemand ist dort. Die Nummer steht am Bildschirm, aber die Person steht mit dem Rücken dazu.
Die Entscheidung. Reicht das schon? Blamiere ich mich, wenn nichts passiert ist? Diese Sekunden kosten mehr als jede technische Lösung. Sie entstehen, wenn nicht vorher besprochen wurde, ab wann alarmiert wird.
Was danach geschieht. Wer kommt? Wie viele? Was tun sie, wenn sie da sind? Wenn drei Kolleginnen gleichzeitig hereinkommen und keine weiß, was ihre Aufgabe ist, hat sich die Lage verändert, aber nicht verbessert.
Ein Signal, das von jedem Arbeitsplatz aus ausgelöst werden kann, ohne den Platz zu verlassen.
Eine klare Schwelle: Alarmiert wird, wenn eine Person sich unsicher fühlt. Nicht erst, wenn objektiv Gefahr besteht. Diese Schwelle wird oft als zu niedrig empfunden. Sie ist die einzige, die im Ernstfall funktioniert.
Eine feste Rollenverteilung: Wer kommt, wer bleibt draußen, wer ruft gegebenenfalls die Polizei. Drei Rollen genügen.
Ein Nachgespräch nach jedem Alarm, auch nach jedem Fehlalarm. Besonders nach jedem Fehlalarm, denn dort entscheidet sich, ob beim nächsten Mal wieder alarmiert wird.
Eine Übung, angekündigt, ohne Überraschung. Jemand löst aus, alle machen, was sie tun würden, danach wird besprochen, was gehakt hat.
Fast jede Einrichtung findet dabei mindestens einen Punkt, der im Ernstfall teuer geworden wäre. Zwanzig Minuten, einmal im Jahr, dafür.
Vertiefung
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